Lesung mit Roland Grohs – Illusion oder Traum, Naivität oder Willenskraft?

Sonntag, 26. Mai, ab 15:00 Uhr

Roland Grohs liest aus seinen zwei Büchern: „Joe baut ein Meer“ – ein Schelmenroman und „Luka und die Guten“- eine Dystopie. Etwas Witziges und etwas eher Düsteres. Roland Grohs, geboren am 8. März 1993 in der Obersteiermark, lebt in Graz.

Schattenseiten der »schönen, gesäuberten Welt«:
ein düsteres Spiel mit der scharfen Trennung von Gut und Böse
Roland Grohs’ Debut war ein Schelmenstück. Mit Luka und die Guten hat der Grazer Autor nun eine mit fantastischen Elementen durchzogene Dystopie geschrieben. Als promovierter Philosoph und Judoka gehören strikte Methodik, Techniken und Konzentration für Roland Grohs zum Handwerkszeug – als Literat nimmt er sich aber auch die Freiheit, mit Themen und Formen zu spielen. Was dabei entsteht, sind lesenswerte zeitgenössische Abenteuer, die manche*r nicht aus der Hand legt, ehe sie durchgelesen sind. Erzählt sind sie in einfacher, klarer Sprache, die eine Fülle von eindringlichen Bildern, Stimmungen und Assoziationen schafft.

Die Schauplätze in Luka und die Guten lassen an Lost Places und Robinsonaden denken, Orte, in denen Grenzen von Zeit und Raum schon einmal ins Surreale verschwimmen können.

»Heute gab es drei schwarze Zelte, die durch die Gänge trieben wie Flöße.«

Roland Grohs beschreibt seine Dystopie aber auch als »geerdete Science-Fiction« ohne Raumschiffe, virtuelle Realitäten oder andere technische Extravaganzen: Die Handlung spielt eher im Heute als in der Zukunft, lediglich eine Erfindung weit von der Gegenwart entfernt. Wobei es weniger um die Erfindung geht
als um ihre Folgen für Individuen und Gesellschaft.

»Der alte Philosophenkönig war vor Jahren gestorben. Er hatte versucht, eine Gesellschaft zu errichten, die auf Mitgefühl und Toleranz beruhte.«

Mit seinem zunächst erst achtjährigen Protagonisten Luka und dessen Blick auf die verstörenden Entwicklungen lässt der Autor noch mehr Fantastik ins Geschehen einziehen: Der Junge sieht, was Erwachsene nicht sehen, kann andererseits vieles, was da vor sich geht, nicht einordnen. »Alles kann zum Monster werden, vor allem das Unverständliche«, sagt Grohs über seine Entscheidung, ein Kind ins Zentrum seines Romans zu setzen, und »wo es Monster gibt, sind auch Helden nicht weit«.
»Jeder Ort und jede Zeit haben ihre eigenen Monster, hatte der König einmal gesagt. Und die großen, wusste Luka, konnten sich gut verstecken.«

Das Buch
»Luka verstand das alles nicht, obwohl seine Mutter versucht hatte, es ihm zu erklären. Der Disponator hatte entschieden, dass er eine Gefahr war, dass er nicht länger bei den guten Menschen da draußen leben durfte. Diese Maschine konnte in einen hineinsehen – und in die Zukunft.« Luka ist acht, als er in ein altes Krankenhaus gebracht wird. Nicht weil er krank, sondern weil er böse ist – oder böse werden könnte. Das ist das Ergebnis des neuen Persönlichkeitstests, den jetzt alle absolvieren
müssen: Wer ihn nicht besteht, wird zum Wohl der Allgemeinheit abgesondert und zusammen mit anderen
»Prädelinquenten« eingesperrt. Mit etwa vierzig von ihnen, es sind vor allem Erwachsene, lebt Luka fortan unter den Augen gleichgültiger Wächter in der Anstalt. Ihre einzige Verbindung zur Welt der Guten ist ein Fernseher im Gemeinschaftsraum, Regeln gibt es nur wenige, Schule oder Arbeit gar nicht. Anfangs sind alle aufgebracht, nervös, bald schleichen sich merkwürdige Routinen ein, Träume, bizarre Marotten, Ungeheuerlichkeiten zeigen sich Luka, der aufmerksam beobachtet, lauscht und bei seinen Streifzügen durch die labyrinthischen Gänge den
grässlichen Spinnenmann entdeckt. Niemand außer ihm scheint ihn zu sehen, auch nicht seine neue Freundin Klara und schon gar nicht Axel.

»Die nachtschwarze Gestalt senkte sich von der Decke herab, geschmeidig wie ein Schatten.«

Jahre später leben die Abgesonderten auf einer entlegenen Insel. Tausende sind sie nun, und sie versuchen, den »Tadellosen« jenseits des Ozeans nachzueifern, in kleinen Gemeinschaften ohne Hierarchien. Verbote gibt es keine, Vergehen werden allerdings drakonisch bestraft. Nur noch einmal pro Woche kommen die Wächter, um Lebensmittel zu bringen – und manchmal auch eine Überraschung.

Luka, mittlerweile ein junger Mann, erhält ein Handy, und damit einen Kontakt zur Außenwelt. Ein Privileg, das ihn in den Augen der anderen zu einem Quell des Wissens über die Guten macht. Die Hochachtung, die
ihm entgegengebracht wird wie einst dem alten Philosophie-Professor, gefällt ihm. Und er beginnt, Regeln aufzustellen …

»… der kluge, gute König, der so lange blind gewesen war oder weggesehen hatte.«

In seinem mit surrealen und fantastischen Elementen durchzogenen dystopischen Roman führt Roland
Grohs seinen Protagonisten Luka durch elf Jahre voller Ungeheuerlichkeiten. Dabei spielt er mit großen
Fragen nach den Mechanismen des Zusammenlebens – und mit literarischen Gattungen.

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Seerose am Aichwaldsee

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